Werner-Ott-Open – Kreuzberger Sommer 2017

Nach zehnjähriger Pause stand für Nino und mich mal wieder das Werner-Ott-Open (ehemalig Kreuzberger Open) auf dem Programm. Ein Turnier, welches immer gute Erinnerungen in mir hervorgerufen hat. Zwar konnte ich nicht immer schachlich überzeugen, dennoch war es immer ein sehr gut organisiertes Turnier mit einer angenehmen Atmosphäre und einem urigen Spiellokal. Nach 10 Jahren Pause ist allerdings nicht mehr viel von dem urigen Schachräumen übrig geblieben, was ich allerdings nicht als negativ empfunden habe. Nach einer Kernsanierung wirkt vieles neu, und lädt zu einer tollen Schachwoche ein. Zudem ist es ein sehr stark besetztes Turnier, was uns beiden die Möglichkeit gab, uns mal wieder an richtig starken Gegnern die Zähne auszubeißen.

Die erste Runde begann für uns beide erwartungsgemäß mit einer Niederlage gegen starke Spieler. Auch wenn wir uns einbildeten, unsere Gegner zumindest zum Schwitzen gebracht zu haben, hatten wir nie wirklich eine Chance.

In der zweiten Runde ging es für uns beide dann nach unten in den Keller, wo die hinteren Bretter ihre Gefechte ausgefochten haben. Obwohl unsere Gegner eine deutlich geringere DWZ vorzuweisen hatten, mussten wir uns doch lange quälen um den vollen Punkt einzufahren, was uns nach hartem Kampf gelang.

In Runde 3 warteten dann wieder ganz schwere Brocken auf uns. Ich bereitete mich dieses Mal gut auf die Eröffnung meines Gegners vor. Ich konnte zwar anfangs gut mithalten, wurde dann aber im Mittelspiel durch ungenaue Züge meinerseits komplett überspielt und musste die Segel streichen. Nino musste gegen die Vizepräsidentin des Berliner-Schachverbandes, Elisa Silz, ran. Es entwickelte sich eine typische Nino-Partie. Er opferte früh eine Figur um Angriffschancen zu bekommen, was leider nicht ausreichte um Elisa zu überrumpeln und zum Verlust der Partie führte.

Eine Besonderheit des Turniers war die gastronomische Versorgung gegen Abend im selbsternannten „Partyzelt“ vor dem Spiellokal. Neben leckeren Angeboten gab es jede Menge gute Laune und viel Schach. Zwischen Analysen und philosophischen Diskussionen tummelten sich auch einige bekannte Großmeister, die ebenfalls um die Wette blitzten, wie beispielsweise GM Niclas Huschenbeth.

Meine Partie in der vierten Runde gegen einen stärkeren Spieler sollte meine spektakulärste Partie des gesamten Turniers werden. Neben vielen taktischen und positionellen Motiven, sowie beiderseitigen Angriffschancen, einigten wir uns in großer Zeitnot auf eine Punkteteilung. Das war eine Partie, die wirklich Spaß gemacht hat. Nino verlor währenddessen seine Partie und musste weiterhin auf seinen zweiten Sieg des Turniers warten.

In der fünften Runde bekam ich wieder einen richtig dicken Brocken vors Brett. Wieder bereitete ich mich intensiv auf meinen Gegner vor, verpasste aber im Mittelspiel den entscheidenden Angriff zu setzten und verlor daraufhin die Kontrolle über die Partie und den Sieg. Dennoch sollte sich Niederlage und meine Vorbereitung in der achten Runde auszahlen. Nino hatte dieses Mal einen sahnigen Tag erwischt und konnte mit einer sehenswerten Kombination Matt setzten, was ihm den zweiten Sieg im Turnier einbrachte.

In Runde 6 musste ich wieder in den Keller und bekam das Brandenburger-Nachwuchstalent Peter Grabs jun. vor die Nase gesetzt. Nach wackeligem Beginn konnte ich erst im späten Mittelspiel durch einen taktischen Kniff die Oberhand und später die Partie gewinnen. Nino plagte unterdessen sich mit seinen mangelnden Eröffnungskenntnissen und konnte erst durch harten Kampf das Remis erringen.

Mit der siebenten Runde wurde das finale Wochenende eingeleitet und die Doppelbelastung aus Arbeit und Schach am Abend entfiel für mich, was sich aus meiner Sicht auch auf meine Leistung positiv auswirkte. Ich spielte gegen einen Nestor, eine neu eingeführte Kategorie vom deutschen Schachbund, die mir bislang noch unbekannt war: Spieler über 75 Jahre. Nach lange ausgeglichenem Spiel übersah mein Gegner ein taktisches Motiv und besiegelte meinen Sieg durch weitere ungenaue Züge. Endlich, eine aus meiner Sicht, ansprechende Leistung. Nino konnte sich nach schönem Spiel gegen seine noch sehr junge Gegnerin durchsetzen und tankte neues Selbstvertrauen für die kommenden zwei Partien.

In der achten Runde konnte ich gegen einen stärkeren Gegner meine Erfahrungen aus der fünften Runde nutzen und einen entscheidenden Angriff setzten, den mein Gegner nur unter Materialverlust abwehren konnte und zum Punktgewinn für mich führte. Nino musste gegen einen stärkeren Gegner nach kleineren Ungenauigkeiten die Waffen strecken. Leider reichen in diesem Leistungsbereich kleinere Ungenauigkeiten aus, um eine Partie zu entscheiden.

Runde 9
Ich hatte nach zwei Siegen in Folge noch die Chance in der Ratinggruppe < 1770 auf einen Geldpreis. Umso motivierter ging ich in Partie. Ich „opferte“ früh einen Bauern, um mehr Angriffschancen zu bekommen. Mein Gegner konnte zwar viele Drohungen abwehren, verbrauchte aber sehr viel Zeit. Zwar gab es 30 Sekunden nach jedem Zug, dennoch zeigte seine Uhr zwischenzeitlich nur noch 6 Sekunden. In der entscheidenden Phase übersah er ein Damenmanöver und musste den Mehrbauern wieder hergeben. Aufgrund seines Läuferpaares entschied ich mich dann für ein Remis-Angebot, was er in Anbetracht seiner mangelnden Zeit annahm. Nino zeigte sich in der letzten Runder leider sehr unzufrieden mit seiner eigenen Leistung, nachdem er sich in einer Kombination verrechnete und die Partie früh aufgeben musste.

Insgesamt ein wirklich tolles Turnier. Neben der tollen gastronomischen Verpflegung muss ich auch das Organisations- und Schiedsrichterteam um Brigitte Große-Honebrink loben. Sie sorgten für sofortige Ruhe bei Unstimmigkeiten und kleineren Unruhen im Spielsaal. Ich konnte letztendlich mit 5 Punkten und Platz 40 noch den dritten Platz in der Ratinggruppe < 1770 ergattern und war durch die Erfolge in den letzten drei Runden doch recht zufrieden mit meiner Leistung. Nino war sicherlich nicht ganz zufrieden mit seinen Partien. Neben einigen verkorksten Eröffnungen fand er nicht so recht in seinen so typischen taktischen Kampfmodus, mit dem er vielen starken Spielern das Leben sehr schwer machen kann. Das nächste Turnier wird sicherlich wieder besser!

Für jeden Spieler, der Herausforderungen sucht und etwas Zeit mitbringt, kann ich dieses Turnier dringend empfehlen!

Dave Möwisch

Zuletzt geändert: 2017/07/24 19:32